Alexander Mayer

 

Mei Leaba hert sich fantastisch a,

was abr so nia gwäa sei ka.

Gebora bin i do in Dissa,

glei unter am Schloss, des dürft ihr wissa.

Dahoim war i zwar in dr ganza Welt,

do hau i glernat, was d' Hoimat zehlt.

Für eis Kindr war's Leaba damols trotzdem schee,

als Komödiant im Zirkus und im Variete.

Erscht wo mi 's Altr in d'Schual hot trieba,

bin i immr öftr in dr Hoimat blieba.

I wär Artischt woara, wenn i gfolgat hätt,

bloß des war's halt it, was i domols wet.

Scho weil mir des au gar it gfällt,

wenn ma sich englisch vrschtändigt in dr Welt.

Mei Oma hot gsait, 's häb ra ins Herz neigschdocha,

weil i hau halt allweil scho schwäbisch gschbrocha.

Dann hau i gheirat mei liaba Frau,

dia hot mi g'erdet, zwoi Kindr hau i au.

Und weil i allaweil scho Gschichtla hau gschrieba,

isch mir des Reima nochher halt blieba.

Bevor i ghört hau, dass ma im Schloss ebbrn will,

war Elektroniker damols mei erschtes Ziel.

Als Wachtmoischtr sind dann fünfazwanzg Johr vrfloga,

nochher isch d' Juschtiz aus am Schloss noch Neu-Ulm zoga.

Jetzt bin i Beamtr im Hochschualweasa -

koi Professor, bloß vo eam dr Beasa.

Weil i zom Aschrmittwoch all mol ebbes gschrieba hau,

hand dia von dr Schwabagilde mi mol ebbes vortraga lau.

Ihr merkat scho, dass i mi kaum bremsa ka,

i fang allweil an nuia Reim a.

Weil i seit 2012 fascht bloß no schwäbisch schreib,

und wenn ihr mi wellad, kas sei, dass i drbeibleib.

 

Alexander Mayer ist 1954 in Illertissen als 2. Sohn einer sechsköpfigen Artistenfamilie geboren.
Er ist glücklich verheiratet und hat zwei Töchter, von denen sich eine künstlerisch in ein Volkstheater einbringt und die andere ihn schon mehrfach zum Opa gemacht hat.
Seine Geschichten sind eher tagesaktuell und ortsgebunden.
Seine Interessen sind vielfältig und kreisen um Illertissen und sein Schloss, in dessen Schatten er sich schon immer wohlfühlte, und wo er wohnt.
Er trainiert Hunde, schnitzt und schreibt zu allen möglichen Anlässen Gedichte. 


 

Auszug aus seinem Schaffen

Grabnetzr

Wenn i zu meinr Muadr gang,
Führt mi mei Weg am Wald entlang
Am Weiher mach i manchmol halt,
im Schatta do direkt am Wald.
I hock mi auf a Bänkle na
und fang dann zum sinniera a.

Wenn ma so über 's Wasser guggt,
ihr könnt mir glauba 's isch verruckt,
do fallad oim so Sacha ei,
i schreib 's glei in mei Biachle nei.
Sonscht ärgert 's mi nooch wia besessa,
weil glei drauf na hau i 's me vergessa.

Herbscht isch und des Laub wäd bunt.
A Stückle weg do bellt a Hund.
Dr Wind duat durch die Blätter sausa,
bei meinr Muadr am Waldfriedhof draußa.
Dia Sonna hat heit an goldna Schei,
do gang i in da Friedhof nei.

Des Laub was auf de Gräber leit
erinnrat mi an d’ Vergänglichkeit.
Gar füchrterlich dät mi des daula,
wenn d’ Leut da Friehhofswart vergraula,
damit er d’ Bäum absäga duat.
Scho 's denka dra bringt mi in Wuat.

Wenn du am Grab do dana kniascht
und 's Laub von deine Schtauda ziascht,
Mensch kasch du des it schätza,
jetzt kasch mit deiner Muader schwätza.
Jetzt hosch du endlich Zeit drzua,
wenn d’ fertig bisch, hot d’ Seal a Rua.

Was i oifach it verschtand,
dass ma  Netzr über 's Grab wegspannt.
Des hält zwar 's Laub vom Boda ab,
drfür verdeckt's des schöne Grab.
Und schbara duasch dr bloß dia Zeit,
für d’ Muadr, dia do dinna leit.

Koi Bluam kasch mehr an 's Kreutz na stecka,
des Netz duat 's ganze Grab bedecka.
Koi Platz isch mehr für d’ Zweisamkeit,
weil so a Netz dia Zeit it leit.
Mit so am Netz kasch leicht vergessa,
dass du mol hasch a Muadr b'sessa.